Maßnahmenkatalog

Die nötigen Maßnahmen untergliedern wir zur Übersichtlichkeit in vier verschiedene Personengruppen mit überschneidenden und unterschiedlichen Bedarfslagen:
  1. Personen, die in Einrichtungen leben
  2. Personen, die alleine oder mit Angehörigen leben
  3. Personen, die mit mobiler Pflege oder/und Betreuung leben
  4. Personen, die mit Persönlicher Assistenz leben

Folgende Sofortmaßnahmen müssen für all diese Gruppen umgesetzt werden:

  • Umfassende bzw. regelmäßige Testungen des Personals im Gesundheits- und Sozialbereich, welches bei mehreren Klient-innen arbeitet. Nur so kann eine schnelle Verbreitung des Virus verhindert werden.
  • Testungen von allen behinderten, chronisch kranken bzw. alten Personen im Verdachtsfall bzw. auf Anordnung der Hausärztin.
  • Testungen von mobilen Hilfspersonen, die nur mit einer „gefährdeten“ Person Kontakt haben, (Persönliche Assistent-innen, Angehörige) ermöglichen, auch im präventiven Rahmen und auf Empfehlung des Vertrauensarztes.
  • Schutzausrüstung zur Verfügung stellen, wenn sie benötigt bzw. eingefordert wird.
  • Sauerstoffversorgung bzw. mobile (nicht-invasive) Heimbeatmung forcieren und auch falls benötigt prophylaktisch bereitstellen ~ das ist eine Schlüsselmaßnahme, um Leben zu retten, denn hier besteht lebenserhaltender Handlungsspielraum, der dazu beitragen kann, die Intensivstationen zu entlasten bzw. deren Überlastung zu vermeiden.
  • Angehörigen/Mitbewohner-innen des Personals im Sozial- und Gesundheitsbereich (Persönliche Assistent-innen, Betreuer-innen, Pfleger-innen, etc.) die Möglichkeit gewährleisten, freiwillig aus Schutz der behinderten, chronisch kranken und alten Personen 2 Wochen vor Dienstbeginn und während des Dienstes Selbstisolation zu praktizieren. Hier gilt es, die finanziellen und rechtlichen Grundlagen dafür zu schaffen sowie deren Versorgung bereit zu stellen.
  • Zugang zu Dauermedikamenten staatlich sicherstellen, auch wenn die gleichen Medikamente für Covid19-Patient-innen genutzt werden.
  • Die Möglichkeiten des sicheren Ärztinnenbesuchs und Therapiebesuchs ausweiten – auch auf Fachärzt-innen und Therapeutinnen (zB. Physio-, Ergo-, Massage- oder Psychotherapie und Logopädie). Diese sollen ua. in Schutzkleidung Hausbesuche machen können. Hier gilt es, die finanziellen und rechtlichen Grundlagen dafür zu schaffen. Auch gilt es, Fachambulanzen mit Mitteln für Telemedizin zu versorgen, um deren oft lebensnotwendige Angebote so weit wie möglich zu erhalten.
  • Mediale Angebote wie etwa Broschüren und Fernsehsendungen, welche die neue Lebenssituation in Leichter Sprache bzw. ÖGS erklären, allen Personen zugänglich machen. (Beispiele sind hier die ORF-Nachrichten in Leichter Sprache sowie die Broschüre des Monitoringausschusses) Dies beinhaltet auch Telefon- sowie Videokontakte zu Beratungs- und weiteren Anlaufstellen.
  • Hilfs- und Heilmittel auch über die derzeitige Höchstgrenze hinaus schnell und unbürokratisch bewilligen. Damit wird der Zugang zu neu benötigten Pflegebetten und Rollstühlen u.ä. erleichtert.
  • Eine schnelle Aufstockung mobiler Angebote entsprechend dem erhöhten Bedarf: Gelder für Gehälter und Zulagen, Ausbildungen sowie Teilqualifikationen bereit stellen, Berufskriterien temporär lockern, um dem erhöhten Bedarf in dieser Situation gerecht zu werden.
  • Der Datenschutz muss gewährleistet werden. Unnötiges Aufzeichnen medizinischer Daten und das Speichern dieser ist unbedingt zu vermeiden.
  • Garantierter Arbeitsplatzschutz für Personen der so genannten ‚Risikogruppen‘, insbesondere nach der Krise.
  • Triagecluster unter Mitsprache von Betroffenen und Betroffenenverbänden ausarbeiten und umsetzen. (SLIÖ, ÖBR, Plattform behinderter, chronisch kranker und alter Menschen als einige mögliche Ansprechpartner-innen)

Darüber hinaus sind spezifische Maßnahmen zu setzen für behinderte, chronisch kranke und alte Personen, die in Einrichtungen leben:

  • Technische Lösungen, um mit Angehörigen/Familie/Freund-innen im Kontakt bleiben und kommunizieren zu können. Visueller Kontakt z.B. über ein Tablet soll vom Personal unterstützt und angeleitet werden. Es gilt, technisch leicht und barrierefrei bedienbare Lösungen anzubieten.
  • Eine höhere Entlohnung des Personals in dieser Krise (durch Zulagen, etc.)
  • Zentral ist, möglichst viele sichere Lösungen zu bieten, die den Alltag der Bewohner-innen aufrecht erhalten lassen. Gerade der Ausgang der Bewohner-innen muss gesichert sein; hier könnten z.B. Parks nur für einzelne Bewohner-innengruppen durch Reservierung geöffnet werden.
  • Regelmäßige Testungen sowie lückenloses Angebot von Schutzausrüstung für Pflegepersonal und Betroffene sind hier fundamental.
  • Für alte Menschen, die in abgegrenzten Einheiten innerhalb von Einrichtungen leben und externe, mobile Pflege bzw. Pflege von Angehörigen in Anspruch nehmen, ist es besonders wichtig, dass diese vertrauten Pflegebeziehungen umgehend unter nötigen Test- und Sicherheitsmaßnahmen wieder aufgenommen werden können.

Für behinderte, chronisch kranke, alte Personen, die alleine bzw. mit Angehörigen leben:

  • offensive Aufklärung über bestehende mobile Unterstützungs-, Betreuungs-, sowie Pflegeangebote
  • unbürokratischen Zugang zu diesen Angeboten gewährleisten, da durch die geringere Mobilität aufgrund des Social Distancing und/oder den Wegfall benötigter Therapien die Bedarfe an solchen Angeboten steigen.

Für behinderte, chronisch kranke, alte Personen, die mit mobiler Pflege/Betreuung leben:

  • Ermöglichen von Stundenaufstockungen aufgrund eines (vorübergehend) steigenden Bedarfs, schnell, unbürokratisch und ohne zusätzliche Selbstbehalte
  • Regelmäßige Testungen sowie lückenloses Angebot von Schutzausrüstung sind hier fundamental.

Für behinderte, chronisch kranke, alte Personen, die mit Persönlicher Assistenz leben:

  • Kollektivvertragliche Entlohnung der Persönlichen Assistent-innen OHNE Stundenreduktion ~ gerade in Krisenzeiten sind stabile Teams lebensrettend und dafür braucht es die entsprechenden Rahmenbedingungen für die Assistenzpersonen
  • Ermöglichen von Stundenaufstockungen unabhängig der Förderstellen (Bund und Länder) ~ unbürokratisch und niederschwellig
  • Unabhängig, ob die Person berufstätig ist oder in Pension, der Assistenz-Bedarf muss gedeckt werden, auch wenn dieser (vorübergehend) steigt. Das ist eine Schlüsselmaßnahme, um Leben zu retten.